11. März 2010
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Entstehung der Familiennamen

Die Namenkunde (auch Namenforschung, Onomastik oder Namensforschung genannt) ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit allen Arten von Namen beschäftigt.

Über eine Zeitspanne von mehreren hundert Jahren trugen die Menschen nur Rufnamen. Bei der ursprünglichen Namengebung musste der Name so gewählt werden, dass er mit dem Wesen des Menschen wenigstens in einem besonders auffälligen Punkte übereinstimmte. Dies konnte einerseits durch ein Eigenschaftswort oder andererseits durch einen Vergleich der Wesensmerkmale von Mensch und Tier geschehen. Oder aber man benannte den Menschen nach einem ungewöhnlich geformten Körperteil. Gerade aber wenn innerhalb einer Familie oder Sippe derselbe Name mehrfach vergeben wurde, wurden unterscheidende Namenszusätze zu einer Notwendigkeit. Auch Kurzformen waren hervorragend zur Unterscheidung gleichnamiger Geschwister geeignet. Der Brauch, dem eigentlichen Rufnamen noch einen zweiten hinzuzufügen, erwuchs vor allem aus dem Umstand, dass die einfachen Namen nicht mehr genügten, um ihre Träger im öffentlichen Leben zu kennzeichnen. Abgesehen von einigen Ausnahmen war um 1600 die Zweinamigkeit weitgehend durchgesetzt. Von fester Familiennamenführung kann allerdings nicht gesprochen werden, denn ein ererbter Name konnte ohne weiteres zugunsten eines anderen aufgegeben werden, da ja der Vorname immer noch der Hauptname war. Bauern wechselten ihren Namen bei Bewirtschaftung eines neuen Hofes, ebenso konnte ein neuer Beruf Anlaß für einen Namenwechsel sein. Seit dem 17. Jahrhundert greifen die Behörden mit entsprechenden Verordnungen gegen willkürlichen Familiennamenwechsel ein. Letztendlich wird 1874 mit Einführung der Standesämter die Entwicklung der Familiennamen abgeschlossen und sogar deren Schreibung verbindlich festgelegt.

Herkunft und Bildung der Familiennamen
  • Familiennamen aus Rufnamen:
  • Familiennamen sind oftmals ein Spiegel der altdeutschen Namengebung, denn viele Rufnamen aus früherer Zeit sind noch heute in unseren Familiennamen lebendig. Die größte Gruppe bilden in diesem Zusammenhang die vom Rufnamen des Vaters abgeleitete Familiennamen. Seltener handelt es sich um den Rufnamen der Mutter, der weitergegeben worden ist. Beinamen der Mutter wurden ursprünglich dann vergeben, wenn die Frau die sozial höhere Stellung besaß oder sie beruhen auf der größeren Bekanntheit der Mutter in der jeweiligen Gemeinschaft
  • Familiennamen nach der Herkunft:
  • Nun war natürlich die Herkunft besonders gut geeignet, um zugezogene Personen zur besseren Unterscheidung zu kennzeichnen. Dabei konnte der Namenträger entweder nach seinem Heimatort (Harsdörfer), seiner Volks- oder Stammeszugehörigkeit (Unger) oder nach dem Gebiet, aus dem er stammte (Allgaier), benannt sein. Allerdings ist es falsch zu glauben, dass der Träger eines Herkunftsnamens auch tatsächlich aus diesem Ort oder Gebiet stammen müsse.
  • Wohnstättennamen:
  • Ein Neuhaus kann diesen Namen erhalten haben, weil er aus dem Ort Neuhaus stammte, oder vielleicht weil er in einem neuen Haus gewohnt hat. In den meisten Fällen wird man sich sich sicher sein können, denn nur selten lässt sich eine Familiengeschichte bis in die mittelalterliche Zeit zurückverfolgen. Die Wohnstätte war damals wohl die einfachste Art, um ansässige und einheimische Personen näher zu kennzeichnen. Doch auch die bestimmte Lage der Wohnstätte, z.B. das Wohnen in der Nähe einer Brücke (Bruckner), war gelegentlich das Motiv zur Namengebung. Familiennamen nach der Wohnstätte haben sich im 14. Jahrhundert vor allem auf dem Lande stark entwickelt, während in den Städten die sogenannten Häusernamen bereits im 12. Jahrhundert gebraucht wurden.
  • Familiennamen aus Berufs-, Amts- und Standesbezeichnungen:
  • Die Familiennamen, die Beruf und Stand bezeichnen, sind heutzutage ein Spiegel der mittelalterlichen Arbeitswelt. Vor allem das mittelalterliche Gedeihen des Handwerks ist für die große Anzahl unterschiedlicher Familiennamen aus Berufsbezeichnungen verantwortlich (Schmidt, Fischer, Schneider, Müller etc.). Dabei muss man bedenken, dass dasselbe Handwerk in den einzelnen Gebieten Deutschlands mit ganz verschiedenen Namen bezeichnet wurde. So gibt es neben der Bezeichnung Metzger auch noch den Fleischer, Knochenhauer, Fleischhacker, Selcher und den Küter.
  • Familiennamen aus Übernamen:
  • Namen wie Schön, Lang, Holzapfel oder Neidnagel werden unter dem Begriff "Übernamen" zusammengefasst. Darunter versteht man im weitesten Sinne alle Beinamen, die aus körperlichen, geistigen oder charakterlichen Merkmalen eines Menschen gewonnen sind. Auch Ereignisse aus dem Lebenslauf können dabei eine Rolle spielen.
  • Familiennamen in der heutigen Zeit:
  • Die aktuelle Zahl unterschiedlicher Familiennamen wird in Deutschland auf weit über 900000 geschätzt wird. Allerdings handelt es sich dabei nicht nur um deutsche Familiennamen, sondern auch um Familiennamen anderer Herkunft. Die zunehmende Migration öffnet natürlich die Schranken für amerikanische, slawische und andere Einflüsse. Der wesentlichste Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Namensystem und dem früherer Jahrhunderte besteht darin, dass der Familienname eigentlicher Hauptname ist, nicht wie im Mittelalter der Vor- oder Rufname. Heute führt ein Thomas Huber seinen Vornamen nur, um sich von den anderen Huber zu unterscheiden.

    Die Erklärungen sind nicht abschließend und beinhalten keine Gewähr über die Richtigkeit.
    Quelle-Auszugsweise: Jan Hemmer

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